Dienstag, 13. September 2011

Heben Sie ihre Hand, wenn Sie etwas nicht verstehen


Ich.bin.müde. Und zwar nicht Jetlack-müde, sondern wirklich ausgelaugt. Heute haben wir den Einstufungstest und sollen um 9:30 Uhr auf dem Campus sein. Im Eingang halte ich noch einen kleinen Plausch mit unserer Hausmutter, und Sie versucht meine Stimmung mit ein paar witzigen Anektoten aufzuheitern. Sie erzählt mir von rasenden Fahrradomis, die vom Wind gebeutelt nur noch Schlangellinien fahren können und bereichert diese Geschichte mit einer schönen dermatologischen Darstellung. Da hebt sich meine Laune doch gleich ein bisschen. Mit Emily zusammen geht es dann auf in Richtung Campus, auf dessen Weg wir prompt in die falsche Einfahrt abbiegen. So landen wir nicht auf dem Zielcampus sondern im Dôshisha College of Liberal Arts. Der Fehler wird aber schnell von einem der freundlichen Wachmänner korrigiert und wir finden (einmal auf dem richtigen Campus angekommen) relativ schnell das passende Gebäude.

Die Tische im Zimmer teilen jedem Austauschschüler einen speziellen Platz zu, und ich wandere erstmal planlos durch die Reihen, weil mir das System der Beschriftung (da ist 115501, daneben ist 115701, und dann kommt 11505...) einfach nicht einleuchten will. Schließlich auf dem richtigen Platz angekommen, sitzt neben mir Hanji, eine Koreanerin aus meinem Wohnheim. Gut, da fühlt man sich doch gleich nicht mehr ganz so allein. Der Test beginnt wenige Minuten später. Es sind praktisch Passagen aus dem JLPT, aus der alten Stufe 4,3,2 und 1. Die Fragen werden immer schwerer, sodass man irgendwann aus Zeit- und/oder Wissensnot das Handtuch wirft. Bei mir ist es ein Mix aus beidem. Irgendwann bei den Fragen zur 2ten und 3ten Stufe sind einfach die 70 Minuten um und mein Kopf schwirrt vor lauter A,B,C,D. Das Schlimme an mutible Choice Aufgaben ist nicht nur, dass man versucht ist, manche Lücken mit mehreren Antworten zu versehen, sondern auch, dass man bei 2x der Antwort (C) hintereinander sofort einen Fehler vermutet.

Doch nach einer Weile fallen mir die Antworten wieder etwas leichter, denn ich habe mich ja schon einmal durch das volle Programm des JLPT gequält. Und Kanji werden auch keine abgefragt, nur Grammatik (deswegen wird es noch peinlicher, wenn sie mich in eine Anfängergruppe einordnen). In der Cafeteria kann ich dann zum ersten Mal wieder Omuraisu essen, praktisch eine Portion Reis versetzt mit Tomatenmark, Gemüse und Fleischstücken, eingeschlagen in ein Omelett. Lecker! Und billig! Außerdem gibt es kostenloses, eingekühltes Wasser.

In der Pause mache ich mich mit Emily auf den Weg zu einem Gebrauchtfahrradhändler. Die Wegbeschreibung hat mir gestern noch Yoshimi gezeichnet. Dort gibt es ein gebrauchtes Fahrrad für 5800 Yen. Ich denke, das wird morgen den Besitzer wechseln.

Die weitere Orientation am Nachmittag fängt sehr gut an. Ein Mitglied der christlichen Fachrichtung erklärt etwas zur Geschichte der Dôshisha Universität. Soweit sind alle Ansagen auf Japanisch passiert. Auch er spricht Japanisch, dafür aber klar verständlich und ausländerfreundlich langsam. Seine Rede ist wirklich toll, vor allem, als er betont, dass es der Dôshishauniversität nicht darum geht, jeden Studenten zu bekehren (mit Grausen wird sich an die Seinan Schule in Fukuoka erinnert), sondern den Studenten neue, unterschiedliche Erfahrungen zu bieten, um ihre Zukunft besser gestalten zu können. Ausdrücklich sagt er sogar noch am Ende: Es ist egal, ob ihr in ein paar Jahren Christen werdet, Buddhisten, Moslems oder gar keiner Religion angehört. Das interessiert nicht. Wichtig ist nur, dass ihr neue Erfahrungen macht und später freie Entscheidungen für euch selbst treffen könnt. Ein toller Mann.

Leider geht die Veranstaltung nicht so weiter. Eine Japanerin macht uns auf eine große Tasche mit unendlichen vielen bunten, bedruckten Papierseiten, Heften und Büchern aufmerksam, die jeder von uns vor dem Tisch stehen hat. Sie nimmt ein Blatt heraus, erklärt den Inhalt auf Japanisch und geht zum nächsten über. Dazwischen gibt es einen kurzen englischen Satz, der meist so rein garnichts erklärt. Ich sehe Hanji neben mir einnicken, und kämpfe selber krampfhaft gegen die Müdigkeit.

Irgendwie sind alle bunten Blätter wichtig, doch nachdem sie in einem Nebensatz erklärt, dass jeder von uns morgen einen japanischen Volontär an die Seite bekommt, der uns alle diese Sachen zeigen und erklären soll, wird die Veranstaltung noch sinnloser. Aber irgendwann ist Schluss.

Ich kaufe eine japanische Wäschespinne (pink), eine Klobürste (zartrosa), einen Wischmopp in Form eines blauen Hundes (da bekommt der Begriff Fußhupe doch eine ganz neue Bedeutung) und ein paar Magnete (rosa mit Glitzer, weil... ist halt so). Wir dürfen nämlich bei uns im Wohnheim nichts an die Wand kleben, NICHTS... NIRGENS, also bleibt nur der magnetische Kühlschrank und die magnetische Tür.

Auf dem Rückweg wird ein weitere Supermarkt inspiziert und ein bisschen Tiefkühlkost eingekauft. Am Abend bediene ich zum ersten Mal den Reiskocher, oder wie ich ihn nenne: Heißes, brodelndes Teufelsding aus der Hölle. Wirklich, das erste Mal habe ich mich am Wasserdampf verbrannt, der an den Seiten in die Luft stieg. Am Wasserdampf! Das zweite Mal, als ich kurz mit einem Finger an die Innenwand des Reiskochers kam. Und das dritte Mal, als ich meine eigene Reisschüssel anfassen wollte. Böses, doofes Ding. Aber ich habe meine Lektion gelernt. Nachdem es an ist, nähere ich mich dem Ding nicht mehr als 10 Schritte. Basta.

Beim Essen treffe ich dann ein Mädchen aus Singapur, mit der es sich auch super schwatzen lässt. Nach all dem Japanisch und anstrengenden Test, ist so etwas englische Konversation wirklich erholsam. Als letztes bekomme ich die Zeit für mein morgiges Interview mitgeteilt. Jeweils zwei Personen werden zusammen geprüft, und ich bin gegen 10 Uhr dran. Das heißt, vorher noch zur Post und das erste Mal Geld abheben. Es ist so frustrierend.

Heute gibt es keine neuen Bilder, aber hoffentlich morgen dann eine kleine virtuelle Tour vom Campus für alle.

Montag, 12. September 2011

Frommes Gebet und weniger fromme Abendunterhaltung


Eigentlich soll es ja heute regnen. Google hat es mir gesagt. Doch bereits gegen 6 Uhr weckt mich gleißendes Sonnenlicht, und alle anderen Wetterseiten scheinen sich auf rund 33 Grad verständigt zu haben. Was mache ich also mit einem nicht verregneten Montag? Ein Blick auf meine gestern erbeutete Stadtkarte zeigt, dass sich in der Nähe der Shijo Dori neben dem Gion (Geisha/Geiko) Bezirk auch noch eine große Parkanlage mit Tempeln sowie Schreinen befindet. Das kann man doch ein ausgeglichenes Tagesziel nennen.

In der Flurküche treffe ich noch Emi wieder, die gerade aufgestanden ist und gleich zur Arbeit fährt. Die Arme, scheint noch völlig verschlafen und mir deswegen gleich noch sympatischer, Frühaufsteher haben etwas gespenstiges an sich. Als ich mir gerade meine (durch Schuhspray erwas besser duftenden) Sandalen überstreife, komnt auch noch die Haushälterin auf mich zu. Wir reden kurz über Kyôto, wo es (nach ihrer Meinung) nicht so sicher ist und dass sie seit 50 Jahren hier lebt. Naja... also, ich glaube ja es sind mehr als 50, nicke aber nur artig und verabschiede mich. Auf Anraten der Haushälterin kaufe ich mir diesmal ein Tagesticket für 500 Yen, mit dem ich in ganz Kyôto herumfahren kann, wie ich lustig bin.

Von Shijô Dori aus geht es dann in Richtung Fluss, vor dem ich noch schnell in eine anscheinend bekannte Restaurantmeile des Geisha/Geiko Viertels abbiege. Am Abend und Nachmittag kann man bestimmt nicht so einfach hier langschlendern, aber jetzt, am frühen Morgen, wird geputzt und geräumt, weil nur wenige Besucher auf den Beinen sind. Die Essensauslagen sind herrlich, und ich höre auf, sie zu photographieren, als ich davon wieder hungrig werde.

Über den Fluss hinweg komme ich dann nach mehreren kleinen Gassen (die Hauptstraßen sind schon jetzt überlaufen und nur voll mit Geschäften, die zwar Japanisch aussehen, jedoch zu meist an Ausländer oder Touristen gerichtet sind) beim Yasaka Schrein.

Zum ersten Mal sehe ich ganze Busladungen von Ausländern und alten japanischen Frauen vor mir auf der Straße und füge mich meinem Schicksal aus Warten, zur Seite geschupst werden, wieder warten und ergreife schließlich die Flucht nach vorn aus dem Schreingelände heraus in einen den Berg hinaufführenden Park. Es ist angenehm kühl unter den großen Bäumen und generell ist die Umgebung mehr als malerisch. Und so ruhig. Als wäre man überhaupt nicht weniger als 10 Minuten entfernt von einer riesigen Einkaufsstraße.

Ohne auf meine Karte zu schauen, wandere ich immer weiter nach oben, bis mir nur noch Tempelmitarbeiter und alte Leute begegnen (denen die Hitze und der Anstieg bei Weitem nicht so viel ausmacht wie mir). Ich finde weitere kleine Schreine und bete an jedem verfügbaren Punkt für die Gesundheit meiner Familie. Wenn das so weiter geht, muss ich noch einen extra Ausgabenposten für Schreinabgaben einführen.

Auf dem Weg nach unten finde ich noch einen buddhistischen Friedhof, viele Restaurants und kaufe mir schließlich kostensparend und vom Hunger geplagt einen Crepe. Was kann schon passieren, während ich esse? Nun, zum Beispiel kann ein Fotoshooting für Hochzeitskimonos abgehalten werden, von dem ich nur zwei unverwackelte Fotos hinbekomme, weil der Crepe nun auch irgendwie Geld gekostet hat und deswegen nicht einfach abgelegt werden kann. Sei's drum!

Entlang des Rückwegs treffe ich 3 nette Mädchen im Kimono aus Ôsaka, die sich nicht nur von mir photographieren lassen, sondern auch etwas mit mir über die Gegend schwatzen. Als letztes schaue ich dann noch bei Softbank vorbei, und werde fündig. Sie bieten Prepaid Handys an, die mich an die 80 Euro kosten, und dann in zwei Monaten etwa 40 Euro, wenn ich mit dem Telefonieren haushalte. Das sind so ungefähr die gleichen Modelle, wie es schon vor 5 Jahren gab, aber damals hat das ja auch gut funktioniert. Email geht, und anrufen geht auch. Internet geht natürlich nicht. Sei's drum, warte ich eben auf mein Smartphone, bis ich wieder in Deutschland bin. Vielleicht sind sie bis dahin etwas billiger.

Hach, diese Gemeinschaftsküche hat schon was für sich. Als ich heute Abend aufbreche, um meinen kargen Kühlschrankinhalt in dampfendes Essen zu verwandeln, mache ich endlich meine nächste engere Japanerbekanntschaft.

Bereits an der Tür wird klar, dass mir diesmal das einsame Kochen erspart bleibt. Nicht nur, dass die gesamte Küche große Glaswände hat und damit so ziemlich nichts darin verbirgt, auch am Türknauf selbst baumelt ein kleines, blaues und überaus fusseliges Etwas. Drinnen treffe ich sogleich auf Yoshimi aus 408, die sich gerade Udonnudelsuppe mit einem Spiegelei zubereitet.

Ich frage sie als Eisbrecher gleich nochmal, ob ich wirklich alles, auch die so nett aufgestapelten Pfannen und Töpfe, benutzen könnte. Ich darf, und die Arme wird mich für den Rest des Essens auch nicht mehr los. Doch zumindest deutet nichts darauf hin, dass ihr meine Gesellschaft besonders viel ausgemacht hätte. Wir schwatzen über die Uni und ihren letzten Trip nach Italien, von dem sie seit gestern wieder zurück ist. Ich versuche möglichst viel über sie zu erfahren, und nicht allzu sehr in die „Der Ausländer erzählt wo er her kommt und was er da so macht“ Leier abzugleiten. Gemeinsam wird über Italiener gelästert, ich erfahre interessante Hinweise auf die „Keine Männer im Wohnheim“ Regel, und wir essen zusammen.

Yoshimi erzählt mir, dass sie im 4ten Semester Kommunikation studiert und eigentlich aus Ôsaka kommt. Nach einem suggestiven: „Oh, in Ôsaka war ich ja noch nie. (Kleine Notlüge und eigentlich trotzdem wahr)“ läd sie mich ein, bei Gelegenheit gemeinsam hinzufahren. Noch ist das völlig unverbindlich, wie ich ja weiß, aber wenn wir uns noch ein paar Mal sehen, wird das konkreter geplant. Die Gelegenheit lasse ich mir doch nicht entgehen.

Außerdem erzählt sie mir, dass sie später gerne Mutter werden will, aber gleichzeitig weiter arbeiten möchte. Nun, mit einem Kind kann ich nicht dienen, aber dafür kann ich ja erzählen, dass es trotzdem in unserer Familie bald Zuwachs geben wird. Danach ist die Stimmung gleich nochmal herzlicher und wir tauschen uns darüber aus, was an Kindern so drollig ist, wie japanische Kindernamen ausgewählt werden, und dass Paare in wilder Ehe in Japan nicht besonders gut angesehen sind. Am Ende schenke ich ihr noch zwei Schokoladentaler (die sind GOLDWERT) und wir sortieren ihre mitgebrachten Eurostücke nach Ländern. Nun kann ich gut gelaunt noch etwas lesen und dann schlafen gehen.

Vor einigen Tagen sind meine Vorräte an Shampoo und Spülung im Reiseformat (ergo, wenig Inhalt für viel Geld) zur Neige gegangen und ich zog los, auf der Suche nach irgendwas für Farbe, und gegen eine Frisur, die selbst Einstein neidisch gemacht hätte. Wie schwer kann das schon sein? 

In der kleinen Drogerie, zwei Nebenstraßen weg und fünf Preiskategorien billiger, findet sich auch gleich eine ganze Regalreihe mit bunten Flaschen (oder Tüten) in allen erdenklichen Farben und Formen. Leider war der Inhalt weitaus weniger differenziert. Ich nahm die erste Flasche aus dem Regal, und las (mit Lippenbewegung langsamer als ich eigentlich sollte) da-me-gi ka-ru. Aha, Damage Care. Nun ja, so schlimm ist es nun auch noch nicht. Suchen wir mal weiter. 
Nächste Flasche, diesmal bestechend durch ein leuchtend rotes Design und viel Inhalt. E-ku-su-tu-ri-mu da-me-gi ke-ru. Extrem Damage Care. Ok, das hat schon irgendwie Sinn, stehen ja auch fast nebeneinander, die Flaschen. Nachdem ich also 10 Schritte entlang des Regals gewandert bin, wird ein erneuter Versuch gestartet. 

Gu-lo-shi sha-i-n da-me-gi ke-ru. Was zum? Glossy Shine Damage Care? Langsam wird mir bewusst, wie blöd ich gerade aussehen muss. Versetzt in die Perspektive eines anderen (japanischen) Kundens steht da eine blonde Ausländerin vor den Shampoos, nimmt eine Flasche aus dem Regal, starrt sie für mehrere Minuten Selbstgespräche führend an , nur um sie dann mit einem Kopfschütteln zurück ins Regal zu stellen und sich die nächste zu greifen. Kein Wunder, dass sich niemand sonst an das Regal wagt. 

Aber das kann doch nicht sein. Inzwischen kann ich das katakanische Wort Damage auch von weitem Lesen und springe hastig vor dem Regal hin und her. Alles nur Damage repair. ALLES. Ich suche eine weitere Regalreihe mit Produkten, vielleicht war das hier eine Sonderaufstellung. Nein, kein andere Teil des Ladens für Shampoo. Nur Damage Care. 

Und eine winzige Abteilung für Herren, die ich lieber nicht inspizieren möchte. Am Ende kaufe ich das billigste da-me-gi ke-ru verfügbar, schmeiße noch eine Packung Froschseife (für 100 Yen im Angebot) dazu und verlasse verwirrt den Laden. WAS machen die hier mit ihren Haaren, dass sie sich nur für Damage Care interessieren?
 
Uhu... über 80 neue Photos. Naja, wie gesagt, Wetter und Umgebung waren TOP.


Samstag, 10. September 2011

I am back! / insert Schwarzenegger Imitation/




So, nachdem die ganze Aufregung erst einmal wieder vorbei ist, werde ich nochmal ein wenig was von gestern erzählen. Bus fahren macht Spaß. Wirklich, sogar, wenn man wie ich zur Hauptverkehrszeit Samstag Mittag wie eine Sardine eingepfercht dasteht. So kann man wenigstens nicht umfallen! Und diese Shijo Dori (Straße) ist wirklich eine Wucht. Nicht nur der ganze Straßenzug voll mit Geschäften, sondern auch eine riesige Art von Markthallensystem, von dem ich mir nur einen Bruchteil anschauen konnte, weil es so weitläufig ist. Und natürlich selbst da in der Mitte ein Schrein.

Auch meine Handy-Recherche konnte ich schon starten. Das Problem ist wohl, dass fast keine Handys ohne Vertrag oder Prepaid Zugehörigkeit verkauft werden. Das heißt: Sobald ich Japan wieder verlasse, wird das Ding unbrauchbar. Und wenn ich ein Handy mit Vertrag nehme, komme ich mit der kleinsten Standartrate immer noch auf mehr als 50 Euro im Monat. Für einen Prepaid verwöhnten 20 Euro über 3 Monate Strecker wie mich ist das wirklich etwas teuer. Natürlich habe ich beim letzten Mal in Japan sicher noch mehr bezahlt (dunkel schwebt mir die damalige monatliche Rate von 70 Euro vor den Augen), aber ein wenig Preissturz sollte wohl drin sein, oder nicht?

Prepaid Handys habe ich bisher nur bei AU gefunden, doch die haben nicht mal die Handy zu Handy E-Mail Funktion. Das muss als mindestes schon sein. Meine letzte Hoffnung ist „Softbank“, ein weiterer Anbieter, der anscheinend auch Prepaid Handys hat. Aber von dem Wunsch, ein Smartphone zu kaufen, muss ich mich wohl verabschieden. Erst für viel Geld kaufen, und dann nach einem Jahr unbrauchbar, nein danke.

Eine weitere neue Errungenschaft meinerseits ist übrigens ein Ausgaben-Buch. Darin versuche ich jetzt ein Haushaltsbuch zu führen. Mit den ganzen Einkäufen und schönen Sachen um mich rum, will ich nicht den Überblick verlieren. Also saß ich gestern Abend (Netbook war ja eh aus) da und habe die Ausgaben der ersten 3 Tage in Japan gegen mein mitgebrachtes Geld aufgerechnet.

Erschreckend. Wirklich, wenn man sich das vor Augen führt, wie viel Geld ich in ganzen 3 Tagen verbraucht habe! So kann das nicht weitergehen. Manche der Einkäufe waren zwar einmalige Sachen, die am Anfang für die Einrichtung in Japan einfach anfallen müssen, aber insgesamt waren die Posten einfach zu hoch. Wenigstens habe ich jetzt mal eine Aufstellung gemacht und kann mich außerdem guten Gewissens der Illusion hingeben, dass mir das beim Haushalten helfen wird.,

Heute bin ich wie gesagt zu Big Camera gegangen, eine der großen Elektromarktketten in Japan. Bevor mein Rechner gestern abend schlapp gemacht hatte, konnte ich noch googeln, das sich die nächste Filiale in der Nähe der Kyôto Station befinden soll. Einige der Busse in der Nähe unseres Wohnheims fahren zum Glück direkt dahin. Bezahlen muss ich immer 220 Yen pro Fahrt, egal wie lange und wohin, was relativ günstig ist, doch auf die Dauer auch ins Geld geht.

Deswegen schaue ich mich jetzt auch nach günstigen Fahrrädern um. Die billigsten in einem kleinen Shop in einer noch kleineren Seitengasse unseres Viertels kosten um die 7.000 Yen. Das sind aber mehr als 60 Euro und damit auch nicht gerade billig. Irgendwo in der Nähe soll noch ein Fahrradverleih sein, mal sehen wie viel die da verlangen.

Aber zurück zu meinem heutigen Ausflug. Am Kyôto Bahnhof angekommen, erschlägt mich nicht nur fast die Hitze, sondern auch die Menge an riesigen Hochhäusern mit unendlich vielen Geschäften. Zwischendrin ist mir noch etwas mulmig geworden, ob denn alles auch am Sonntag aufhaben würde. Doch auf der langen Busfahrt kann ich mich wenigstens davon überzeugen, dass vielleicht nicht jeder kleine Laden am Sonntag öffnete, wohl aber jedes Kaufhaus und jeder Supermarkt.

Erstmal überquere ich eine Kreuzung auf gut Glück und laufe dabei doch gleich einem Zettelverteiler von Trommelwirbel Big Kamera in die Arme. Der wird natürlich sofort befragt und kann mir nach einem anfänglichen Schock (Eine Ausländerin guckt mich an, sie spricht mich an, sie tut dies in Japanisch) auch eine tolle Wegbeschreibung liefern. Japaner sind gut im Weg beschreiben, jedenfalls leite ich diese These aus der Schnittmenge der von mir dahingehend geprüften Japaner ab. Und das waren nicht gerade wenige bisher.

In Big Kamera angekommen nehme ich auf jeder Etage mehrere Mitarbeiter in Beschlag, die mir helfen sollten. Wohlweißlich habe ich alle problematischen Kabel dabei und kann sie aus dem Hut zaubern, wann immer jemand sich mit der Frage nach mehr Informationen aus der Affäre ziehen will.

Zumeist läuft das so ab: Ich betrete eine Etage, stelle mich demonstrativ in die gefühlte Mitte der aufgebauten Regale und mache das Gaijin-Gesicht. Das Gaijin Gesicht ist ein über Jahrhunderte praktizierter und überlieferter Gesichtsausdruck ortsunkundiger Reisender, die auf Hilfe von Einheimischen hoffen. Es besteht aus unsicher zusammengekniffenen Augen, einer seitlichen Schräglage des Kopfes (auch Welpenknick genannt) und einem in der Andeutung von Konzentration halb offen stehenden Mund. Außerdem ist es hilfreich, dabei generell so hilflos und mitleidseregend wie nur möglich auszusehen.

Als sich nun einer der anwesenden Angestellten meiner erbarmt, erklärte ich ihm mein Problem und krame rein prophylaktisch schon einmal meinen Kabelsalat hervor. Nachdem sich besagter Mitarbeiter dann von dem Schock erholt hat, dass ich mein Problem relativ gut und konkret auf Japanisch beschreiben kann, nimmt er mit 2 Verbeugungen meine Kabel an sich und verschwindet Gottweißwohin, um Nachforschungen anzustellen.

Das Ergebnis: Ich bin um einen Fön, ein japanisches Ladekabel für meine Kamera, einen Stromwandler in die richtige Richtung und einen Wecker reicher. (Ich hatte am Tag der Abreise leider den falschen, schon Jahrzehnte alten Wecker gegriffen, dessen Alarm sich nicht mehr einstellen lässt)

Doch, allein das Netbook Ladekabel gib es nicht. Meine Version des Eee PC wird in Japan nämlich nicht verkauft. Also gilt es zu hoffen, dass nicht das Ladekabel selbst, sondern der Stromwandler kaputt ist, und ich verlasse Big Kamera um mehr Yen ärmer, als ich mir in dem Moment ausrechnen will.

Wenig später finde ich eine Treppe, die scheinbar, zwischen Big Kamera und dem Bahnhof, direkt in den Himmel führt. Also erklimme ich an die 5 Stockwerke von Treppenstufen, und stehe schließlich laut schnaufend auf dem Dach des Bahnhofs. Da gibt es einen langen Gang, von dem aus man über die meisten angrenzenden Neubauten hinweg bis zu den Bergen sehen kann. Schön, und sogar etwas schattig.

Am Ende des Gangs stehe ich plötzlich auf einer großen Plattform und inmitten einer Hawaii Tanzaufführung. Jung und alt, Männer und Frauen, bewegen sich zu entspannender Musik im Takt. Sachen gibt’s hier auf den Dächern. Bereits entlang des Weges waren mir zwei Männer aufgefallen, die sich in voller Konzentration ohne Musik bewegten. Anscheinend in Vorbereitung auf ihren Auftritt.

Den Rückweg trete ich schließlich durch das Innere des Bahnhofs an, oder besser durch das Einkaufszentrum mit gelegentlicher Zugabfahrt. Etwas ermattet sitze ich dann erstmal für eine halbe Stunde an den Rolltreppen und schaue mir die Japaner um mich rum an. Heute habe ich nun wirklich gar keinen Ausländer getroffen. Mit einer kalten Flasche Tee versuche ich die Rückfahrt und die damit verbundene Stunde der Wahrheit (Netbook geht oder geht nicht) herauszuzögern und beobachte eine junge japanische Familie mit 3 Kindern. Nein, die sind so drollig! Ein Baby, eins gerade so im Laufalter und ein Mädchen von vielleicht 4 Jahren. Als dann die kleine Familie weiter zieht, und Papa sich nicht nur das Baby umschnallt, sondern auch noch die älteste Tochter an die Hand nimmt, da scheint wenigstens für einen kurzen Moment wirklich alles in Ordnung zu sein. Also habe ich mich zurück nach Hause aufgemacht und kann jetzt mit Beruhigung feststellen, dass alles wieder funktioniert. Nur das Haushaltsbuch muss ich noch schreiben, aber erst später.

Morgen soll es wohl Gewittern und Regnen. Naja, vielleicht schreibe ich dann morgen hoffentlich die letzte ausstehende Hausarbeit fertig.

Heute war echt nicht so mein Tag. Computerprobleme über Probleme, die Profis finden den Fehler net und jetzt ist auch noch mein Ladegerät und /oder der Stromwandler kaputt gegangen. Irgendwas läuft hier schief. Morgen gehe ich zu Big Camera und kaufe irgendwas, was mir hilft. Wenn was hilft. 
Dabei fing der Tag so gut an. Allein auf der Pirsch bin ich in die Stadt gefahren und habe dort nicht nur viele Fotos gemacht und viel gesehen, sondern auch noch günstig gegessen. Jedenfalls gibt es nahe der Shijo Dori fast alles, was man sich nur vorstellen kann. Außer einen Elektroladen anscheinend. >.< 
Danach war ich noch am Fluss, da gab es so eine tolle Wasserbrücke aus Steinen, die die Form von Schildkröten hatten.
Heute Abend habe ich selbst gekocht. Der Herd ist ganz toll, Platten sofort heiß und dann auch sofort wieder kalt. Ich hab mir Soba mit Rinfleischstreifen und japanischer Würzsoße gemacht. Lecker. Doch jetzt hat mein Laptop nur noch 40 Minuten Akku, und wie gesagt, aufladen ist nicht. Deswegen kann ich im Moment auch nicht mehr posten.

Also lasse ich heute Mal die Bilder sprechen.

Freitag, 9. September 2011

Männer sind an der Leine zu führen

Naja, ganz so schlimm ist es dann doch nicht gekommen. Auf dem Flug nach Ôsaka habe ich mir eine Dokumentation über Kyôto angeschaut. Wenn man die beiden Kreischmiezen vom Dienst (Fukushimas Gemüsedokumentation lässt grüßen) ausgeblendet hat, war es ein ganz interessanter Beitrag über selbstgemachte Süßigkeiten und Ramen mit darin schwimmenden Rührei.... Naja, wer's mag. Außerdem half es dabei, die ganzen starrenden Blicke zu vergessen. 4 blonde Mädels, und knapp zwei Stunden Zeit, sie ausgiebig zu mustern. >.< Naja, unsere Koffer sind dann auch (natürlich als fast letztes- Spannung ist wichtig und so) vom Band gerollt und unsere Karawane zog schwer beladen in Richtung Züge. Dort haben wir ein Ticket gelöst... und dann nachdem die Schranken uns nicht durchgelassen haben, noch eins, denn es war ein Expresszug und überhaupt sowas müsse man doch wissen. Mein Gott, ich war inzwischen seit 40 Stunden auf den Beinen, die konnten froh sein, dass ich noch einen Fuß vor den anderen setzte ohne umzufallen. 

Die Zugfahrt verbrachten wir dann allesamt damit krampfhaft NICHT zu schlafen. Auf dem Bahnsteig wurden wir von einer netten Dame abgeholt, die uns zwar nicht ihren Namen verriet, dafür aber sogleich Angst und Schrecken verbreitete. Also, die drei zur Dôshisha Mansion (Jana, Jenny, Dominique) würden jetzt allein mit dem Taxi zu ihrem Wohnheim fahren, während unsere Betreuerin ausgerechnet mit mir zum Richard House fahren wollte. Nun, beschwert habe ich mich nicht, wohl aber etwas Angst um die anderen gehabt. Aber irgendwie werden sie schon angekommen sein.

Im Wohnheim angekommen lernte ich sogleich 2 Dinge: Im Eingangsbereich müssen die Schuhe ausgezogen werden... und Gaijinfüße haben nach fast 40 Stunden kochen im eigenen Saft keinen besonders guten Geruch. Peinlich, peinlich. Außerdem waren es um Mitternacht in Kyôto immer noch 23 Grad heiß und die Luftfeuchtigkeit lag bei mindestens 90%. Ich war bedient. Dann endlich stand ich in meinem Zimmer. Eine Kochnische, ein eigener Kühlschrank, ein eigens Bad mit Badewanne und ein geliehener Futon vor dem Balkon. Alles ganz ordentlich, aber mein erster Blick und somit meine ganze Aufmerksamkeit ging erstmal zu dem kleinen Schreibtisch, und dem darauf in seinen Einzelteilen liegenden Modem. Meine Begleiterin reagierte leicht panisch auf meine Frage nach dem Internet, und meint nur, dass das nicht ihre Sache wäre. Ok, die Nacht war ja noch lang.

Nun sagt sie mir, ich solle mich morgen früh um 9:30 zur Orientation einfinden. Ich sage ja. Sie meint dann, ich solle mich, auch wenn ich müde wäre, rechtzeitig zu der Orientation um 9:30 Uhr einfinden. Ich sage: Ja, ich habe verstanden. Als sie mich in den nächsten 5 Minuten noch einmal ermahnt, doch bitte auf jeden Fall morgen um 9:30 Uhr bei der Orientation zu sein, versuche ich es anders. Ja, ich würde, auch wenn ich müde wäre, mich auf jeden Fall um 9:30 Uhr zur Orientation einfinden. Und komme mir vor wie ein Papagei. Doch das scheint meine Begleiterin zu beruhigen, und sie ist weg. In den nächsten 20 Minuten lerne ich noch zwei Dinge. Erstens, es gibt kein heißes Wasser, und zweitens... ich habe keine Ahnung, wie ich mir aus den unzähligen Laken, Decken und einem mit Steinen gefüllten Kopfkissen ein Bett bauen soll. Für einen kurzen Moment bin ich versucht, nach „Futon for Dummies“ zu googlen, doch das Internet weigert sich zu kooperieren.

Nachdem sich auch die Klimaanlage meinem Willen gebeugt hat, und der Wecker auf 7 Uhr gestellt ist, schlafe ich trotzdem ein.

Am nächsten Morgen gehe ich zunächst zum Konbini. Kontaktfreudig, und einfach planlos spreche ich das erste Ehepaar an, dass mir über den Weg läuft: Hallo, Entschuldigung, wo ist denn bitte der nächste Konbini? Die beiden starren mich an. Mir ist plötzlich etwas mulmig zumute und ich versuche es erneut. Konbini... Kooooonnnnbini...? Sie starren weiter. Ich versuche es anders: Ein Laden, wo es Essen und Trinken und Toilettenpapier gibt. Jetzt kommt Leben in dieses Gespräch: Ach, Konbini, ach, ja der ist da vorn rechts und dann gerade zu und dann links. Ich kann zwar zwischen ihrer Aussprache von Konbini und meiner keinen Unterschied betonungsmäßig ausmachen, doch da ich bekommen habe, was ich wollte, wird das einfach mal als Erfolg verbucht. Basta. Der nette Ladenbesitzer versteht mich dann ohne Probleme und wärmt mir sogar mein gekauftes Frühstück auf. Erstes Bild, erster Einkauf^^

Zurück im Zimmer kämpfe ich erneut gegen das Internet. Ohne Erfolg, gehe die große Gemeinschaftsküche inspizieren (Töpfe, Pfannen, große Kochplatten, Ofen, Reiskocher... alles da) und frage mich im Stillen, warum es weder hier noch in meinem Zimmer einen Mülleimer gibt. Direkt neben der Küche ist auch noch eine Zimmertür halb offen. Da fragen wir doch gleich mal nach. Wenn ich sie störe, geh ich halt wieder. Was soll ich sagen? Ich störte nicht. Emi, Japanerin auf meinem Stockwerk, zeigt mir nicht nur die Müllcontainer hinter dem Haus, und wo was hingehört, sondern macht mich auch noch mit der Hausmeisterin bekannt, zeigt mir die Waschmaschinen, den Fernsehraum und schafft es sogar, der Hausmeisterin das fehlende Kabel für mein Internet aus dem Kreuz zu leiern, das ich eigentlich hätte selbst kaufen müssen. Für ihre Hilfe und in Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen schenke ich ihr zwei Schokoladentaler (einen zum Anschauen, einen zum Essen) und mache mich auf zur Orientierung (9:30 Uhr, wir erinnern uns). 

Ich komme natürlich viel zu früh an und habe ein wenig ein schlechtes Gewissen, weil sich die anwesende Hausmeisterin der anderen beiden Wohnheime anscheinend gezwungen sieht, deswegen die ganze Zeit mit mir zu reden. Ich hoffe, ich habe sie nicht zu sehr gelangweilt oder abgehalten. Dann kommt Emily dazu. Sie ist aus London, sieht etwas Indisch aus, könnte aber auch als Japanerin durchgehen und wir unterhalten uns, Wunder oh Wunder, in Japanisch. Das heißt, bis die Orientation losgeht. Davon gibt es nicht viel zu berichten, außer, dass Männer an der Leine zu führen sind und aus dem Wohnheim draußen bleiben müssen. IMMER. Und was ist, wenn es ein Feuerwehrmann...? IMMER! Ok... Nach der Orientation nimmt sich dann unsere Hausmeisterin meines Badproblems an und ich verabrede mich mit Emily zum 100 Yen Shop Shopping. 

Aus der Ferne höre ich die Stimme meines Vaters: Kiiiiind. Kauf nicht zu viiiiiiiel ein. Mal sehen, ob das was wird. Als ich auf Emily warte, kommt eine weitere Traube von Ausländern an und läd mich zum gemeinsamen Lernen für den Aufnahmetest am Dienstag ein. Sofort habe ich ein schlechtes Gewissen. Ich müsste ja, und die Kanji... und das Grammatikbuch, was so vorwurfsvoll aus meiner Handtasche schaut. Aber wirklich? Mein erster richtiger Abend in Kyôto, und ich soll ihn mit Lernen verbringen? Für einen Test, der mein Niveau verstellen soll, um mich in einen passenden Kurs zu stecken? So richtig erschließt sich mir der Sinn dabei nicht so ganz, und ich lasse es bei einem unbestimmten: Hm.

Emily sieht das ganze ähnlich wie ich, und wir beschließen außerdem auf halber Strecke, dass wir es doch durchgängig mit Japanisch versuchen sollten. Wozu sind wir sonst hier. Also gehen wir shoppen, halten uns gegenseitig zurück und achten auf die Preise. Wir beide schlucken nach der Rechnung des Lebensmittelladens. Wir brauchen da noch eine preiswerte Alternative. Für eine Notganitur fürs Wochenende habe ich fast 30 Euro bezahlt. Plus ein Kilo Reis, einige Soßen und... egal. Danach schlage ich mich den Nachmittag mit meinem PC rum, Skype geht nicht, und Google Hangouts auch nicht, und selbst die selbsternannten Ubuntunerds vor dem Herren finden keine Lösung. Das Problem hat mich letztendlich noch bis in die Nacht beschäftigt, mit einer guten Aussicht auf Lösung durch Windows am.... Samstag. Danke nochmal an Moritz für die unermüdliche Hilfe. Naja, egal, bis Sonntag muss es gehen, und dass schaffe ich. 

Zwischendrin sind Emily und ich noch Abendessen gegangen. Weil wir nicht ganz so viel ausgeben wollten, sind wir unendlich weit umher gelaufen, nur um festzustellen, dass es in direkter Umgebung der Ausländerwohnheime zwar etliche Dunkin Donuts, french Cafes und Mc Doofs gibt, aber kaum bezahlbare japanische Küche. Wir landen in einem Schnellrestaurant, was an sich überhaupt nicht schlecht ist, doch als wir sitzen, kriegen wir eine englische Karte. Ich traue keinen japanischen Restaurants mit englischer Karte. Das Essen ist ok, aber die Atmosphäre irgendwie angespannt. Angestarrt zu werden ist ja normal, aber das war noch irgendwie anders. Egal, vorbei ist vorbei, und ich habe den Rest des Abends an meinem PC Problem gesessen. Und meine Sachen ausgepackt.

Jetzt bin ich müde. Morgen gehe ich alleine auf die Pirsch.

Mittwoch, 7. September 2011

Kinder, ich werde zu alt für den Scheiß!


Kinder, ich werde zu alt für den Scheiß!

Mann... kann nicht einmal alles glatt gehen, wenn ich nach Japan fliege? Nein, das wäre ja zu einfach und der Spannung in diesem Blog auch überhaupt nicht zuträglich. Deswegen tippe ich diese Zeilen auch über den Wolken, nicht etwa nach Japan, sondern nach Korea (Seoul). Aber alles der Reihe nach:

Der Tag fing eigentlich ganz gut an. Letzte Kabel verschwanden im Koffer, und die Fahrt nach Berlin war, abgesehen von einigen wenigen Engpässen, ebenso ereignislos. Doch dann!

Kaum auf dem Flughafen Tegel angekommen, und nach dem Gate gefragt, meinte der nette Herr ganz beiläufig, dass mein Flug außerdem 45 Minuten Verspätung hätte. OH NEIN! Man(n) mag sich vorstellen, dass das für mein Nervenkostüm nicht gerade zuträglich war. Wir socken also sofort zum Check In Schalter (Natürlich am anderen Ende des Flughafens) und bekommen dort erstmal die Auskunft: Neee, also der Flug nach Amsterdam ist hier net. Der von vor zwei Stunden, der war hier, aber der nächste, da müssen sie zurück in Halle A. Leicht angesäuert und nun auch noch außer Atem kommen wir in Halle A am Check In an. Dort ist dann erstmal nichts zu wollen, weil das Kofferband einfach nicht funktionieren will. Doch irgendwann bequemt sich auch ein Techniker zu kommen und wir checken ein. Die Dame am Schalter weiß wiederum von Verspätungen rein gar nichts.

Also: Herz beruhigt, traurig verabschiedet und rein in die Wartehalle. Und dann wird gewartet... und gewartet … und gewartet. Die Boarding Time ktommt... und geht... zwischendrin nölt eine uninteressierte Stewardess in das Mikrophon, die Boarding Tme würde sich verschieben, aber die Abflugzeit bliebe gleich. Ja, klar! Bereits mehr als angefressen stelle ich mich vor das Gate und schaue jeden böse von der Seite an, der es auch nur wagt sich in meine Nähe zu stellen.

Das Ende vom Lied? Wir haben eine Stunde Verspätung und das, obwohl ich nur eine Stunde Umsteigezeit habe. Was tun? Die Stewardess meint, man solle beim Transferdesk nachfragen, sie könne und wolle mir nicht helfen. Währenddessen sehe ich hilflos Papa zu, wie er oben auf dem Besucherdeck steht, mein Flugzeug anstarrt und bestimmt mit jeder verstreichenden Minute genauso hibbelig wird wie ich.

Irgendwann fliegen wir dann los, und kommen natürlich viel zu spät in Amsterdam an. Irgendein Schmarn von wegen zu viel Wind und viel Verspätung. Wer's glaubt! Aber ich habe noch eine Hoffnung: Wenn unsere Maschine schon beim Hinflug so viel Verspätung hatte, dann haben vielleicht alle Maschinen Verspätung und ich schaffe meinen Flug doch noch. Die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt.

Also presche ich ohne Rücksicht auf Verluste aus dem Flugzeug und folge den Schildern zum Tranfer Schalter. Ich renne, keuche und schnaufe gefühlte Kilometerweit Treppen rauf und Treppen runter, und schleppe mich mit letzter Kraft zu einer weiteren unfreundlichen Dame in blassblau. Die meint dann, mit einem Blick auf mein Ticket und einem kurzen Anruf: „Sorry, Gate closed!“

Ich starre sie für einen Moment an und kann es nicht fassen. Wie jetzt, closed? Nix closed! Sie wird nun pampiger: „Alle Passagiere sind da gewesen, also ist das Gate zu.“ Ich traue meinen Ohren nicht: „Aber... aber... ICH bin doch noch hier!“ Keine Chance, die unfreundliche Dame mit strengem Dutt drückt mir nur einen kleinen Zettel mit einer Wartenummer in die Hand und schiebt mich weiter. Hinter mir warten noch mindestens 20 weitere Leute, Tendenz steigend.

Zeit, für einen kleinen Nervenzusammenbruch. Schluchzend und nach Luft schnappend schleppe ich mich in die nächste Wartehalle ohne Sitze und versuche mich wieder zu sammeln. All das Rennen, all die Hektik, und alles für die Katz. Nach 10 Minuten beschieße ich, dass heulen und hyperventilieren zwar an sich seine Vorzüge hat, aber im Moment nicht wirklich viel bringt. Also schaue ich mir die Wartenummer an (A120), die nächste Nummer am Schalter (A90), und füge mich seufzend in mein Schicksal. Eine halbe Stunde später sehe ich plötzlich einen bekannten blonden Haarschopf in der Menge. Ja, kann denn das sein? Ja, es kann! Meine 3 Mitstreiterinnen haben den Flug ebenfalls verpasst, sogar mit noch mehr Verspätung als bei mir. Es gibt ein großes Hallo, es wird zusammen geflucht und gelacht, die Planung für den Abend schon fast perfekt.

Doch wieder zu früh gefreut. Zwar bekomme ich vom relativ freundlichen Mann am Schalter schließlich eine Boardkarte für denselben Flug am Donnerstag zur selben Zeit, aber alle anderen haben in der Maschine keinen Platz mehr. Die drei hatten sowieso schon einen anderen Flug, noch am Mittwoch, über Seoul. Der Herr bietet dann an, mich auch auf diesen Flug zu buchen, und ich sage in einem Moment der geistigen Umnachtung auch noch Ja.

WARUM tue ich so was hirnrissiges? Ich hatte einen angenehmen Flug am Donnerstag mit Übernachtung und allem. Nein, ich fliege zusammen mit den anderen 2 Stunden später nach Seoul, wo wir gegen 10 Uhr morgens am Donnerstag ankommen und dann 9!!! Stunden auf unseren Flug nach Ôsaka warten dürfen. 9!!! Stunden! Und dann kommen wir erst gegen 20 Uhr 40 in Ôsaka an, dass heißt Zug nach Kyôto wird schwierig, und wenn, dann sind wir erst gegen 22 Uhr in Kyôto und kommen wahrscheinlich nicht mal in unsere Wohnheime.

Der Ernst der Lage wird mir auf unserem Weg zum neuen Gate so langsam bewusst. Ich beginne laut und vulgär vor mich hin zu fluchen. Wir sind in Amsterdam, wen stört's? Gut, denke ich mir, irgendwie müssen wir das jetzt geregelt kriegen. Am Schalter haben sie uns neben unseren Bordkarten auch noch einen Gutschein mit 5 Telefonminuten und 10 Euro Essen gegeben. Nur, kein Telephon will diesen verdammten Gutschein akzeptieren! Zum Glück hat Jana ihr Handy dabei, von dem ich kurz bei Papa aufs Band spreche (Plan B heißt Seoul, warum bist du nicht zuhause, mach dir keine Sorgen, das wird schon) und dann versuche, in Japan unseren Kontakt Frau Mori zu erreichen. Es macht TUT.... es macht noch mal TUT... und dann macht es noch ganz viele Male TUT bevor die Verbindung abbricht. Hat man in Japan noch nie von einem Anrufbeantworter gehört???

Wir haben die nächste zündende Idee: Frankfurt! Da können die doch eh viel besser Japanisch als wir. Die müssen Frau Mori eine Mail schreiben. Jana hat zum Glück sogar die Nummer des Sekreteriats. Es macht TUT... es macht noch mal TUT... und dann noch ganz viele Male TUT, bevor ich wütend in eine tote Leitung blöke, weil scheinbar auch in Frankfurt keiner einen Anrufbeantworter hat! Wir brauchen einen Plan, und das schnell! Es sind bloß noch 1,5 Stunden bis zum Flug, und wenn wir in Seoul ankommen, sollten wir eigentlich schon lange angerufen haben.

Also dackele ich mit letzter Verzweiflung zu einem Schalter und versuche mein Glück. Ein neuer Plan: Mit den 5 Freiminuten zu einem Schalter gehen, sie irgendwie in Internetminuten umtauschen lassen, Frau Mori eine Mail schreiben und ihr sagen, dass sie sich kümmern und uns, bis wir in Seoul gelandet sind, eine Mail schreiben soll. Dann holen wir die in Seoul ab und halten uns an die hoffentlich guten Instruktionen. Ich schnappe mir Jana, die Frau Moris Mail Adresse zur Hand hat, und wir socken los. Einmal quer durch die Halle.

Schnell wird am nächsten Schalter klar: Frei Internet gibt es nicht. Und auch mit dem bezahlbaren gibt es Probleme, denn da braucht man eine Kreditkarte. Hamma abba net! Nu, dann gäbe es da noch das Kommunikationscenter. Da könne man unter Umständen, wenn der Mond abnimmt und alle Sternlein stehen... Die Uhr tickt weiter und wir hetzen zum neuen Mekka aller Internet Jünger. Natürlich wieder weit weg.

Dort dann endlich die Offenbarung. Der Automat akzeptiert unser Geld, wir gehen ins Internet und nach einigen wüsten Beschimpfungen will auch Google mich in mein Konto lassen. Die Mail wird geschrieben, wir kaufen uns von den Gutscheinen noch was zu essen und schaffen es rechtzeitig zurück zum Gate. Im Flugzeug sitze ich am Fenster mit schönem Blick, leider eingekesselt von einer familie mit kleinen Kindern. Eins kippt mir noch heißen Tee über die Hose.

Ob wir es schaffen, unseren Flug in Seoul noch umzubuchen und vielleicht zu einer christlichen Zeit in Japan zu sein? Ob Frau Mori eine Lösung hat? Ich weiß es nicht. Aber eins ist sicher: Meine Reise nach Japan hat definitiv begonnen!

Ob wir es schaffen, unseren Flug in Seoul noch umzubuchen und vielleicht zu einer christlichen Zeit in Japan zu sein? Ob Frau Mori eine Loesung hat? Ich weiss es nicht. Aber eins ist sicher: Meine Reise nach Japan hat definitiv begonnen!


Nachtrag: Freies Internet in Seoul gefunden. Frau Mori hat gesagt, alles wie bisher. Ob wir sie wirklich so spaet anrufen koennen? Der Flug konnte nicht umgebucht werden und unser Gepaeck ist nicht auffindbar. Oh Freude...
Der Zöllner für die Pässe spricht nur Koreanisch und Spanisch... öhm... warum?

Nachtrag 2: Und nobel geht die Welt zugrunde. Korea ist doch nicht so schlecht wie gedacht. Man kann hier mit Yen bezahlen, und als Jana und ich uns den Magen vollschlugen, saßen am Nebentisch eine Gruppe netter Japaner mit Buisnessanzug.
Ich sofort mein Japanischbuch (Minna no nihongo- war ja eigentlich zum letzte Minute lernen gedacht) rausgekramt und leicht suggestiv darin geblättert. Köder geschluckt. Keine Minute später waren wir im Gespreach. Der eine Japaner (Wortführer) erklärt, sie kämen aus Fukuoka, und da wäre auch ihr Firmensitz.
Seine Tochter ist wie ich auf die Seinan Oberschule gegangen. Ich lasse dezent einfließen, dass ich ja nach den 6 Monaten Dôshisha gern arbeiten wuerde, und schon bekomme ich 3 Visitenkarten und eine Handynummer von dem Wortfuehrer. Stellt sich heraus, er ist der Praesident einer Firma, die auch in Kyôto Filialen hat und ich solle mich doch melden. Weiss natürlich nicht, wie ernst er das gemeint hat, aber haben ist doch erstmal besser als nicht haben, oder?
Die Firma ist http://www.natural-mori.co.jp/ und ich habe mit dem Herrn Mori gesprochen. Selbst, wenn daraus nix wird, ich konnte mein Japanisch wieder mal an wildlebenden Japanern ausprobieren und habe mich denke ich mal recht gut geschlagen. Zufälle gibts, der Flügelschlag eines Schmetterlings und so...

Nachtrag 3 (jaja, 9 Stunden und so) Erste Bilder online.

Montag, 5. September 2011

Ein Kilo ist ein Kilo ist ein Stoffhase

Packen ist anstrengend! Das ist vielleicht keine besonders neue Entdeckung, aber nichtsdestotrotz die volle Wahrheit.

Wenn sich diverse Haufen an Klamotten und Kram überall im Wohnzimmer verteilen...


... dann ist das Chaos vorprogrammiert. Nun ist mein großer Koffer auf schlanken 22,5 Kilo, und mein kleiner Koffer kratzt an der 12 Kilo Marke. Meine Umhängetasche will ich gar nicht wiegen. Manche Sachen sollte man einfach auf sich beruhen lassen.

Am Mittwoch geht es endlich los, und ich verfalle immer wieder in latente Panik:

Ist alles eingepackt? War die Umrüstung meines Netbooks von Windows auf Linux im letzten Moment wirklich so eine tolle Idee? Und wieso sind es in Kyôto immer noch 30°C?

Fragen über Fragen, und im Moment kriege ich von meinem Vater nur noch eine Antwort: 

„Da muss er durch, der Lurch.“